Buch des Monats Oktober 2026
Vorgestellt von Hannelore Schalk
Andreas Eschbach „Ins Fahle Herz des Sommers“
Der Roman spielt in Frankreich. Es gibt keine Jahreszeiten mehr und seit Jahren brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Einen regulären Staat gibt es nicht mehr. Der Süden ist nicht mehr bewohnbar. Wer es sich leisten konnte, ist rechtzeitig nach Nordschottland, Grönland, Kanada oder Sibirien gezogen und hofft dort auf ein besseres Leben. Wir begleiten Fausto bei seinem alltäglichen Überlebenskampf. Er ist einer der wenigen Menschen, die in ihrer Heimat geblieben sind, um für sein Dorf und die wenigen Nachbarn zu kämpfen. Der Alltag ist hart. Es gibt keinen Strom mehr, nur die Häuser, die Sonnenkollektoren haben, können für sich Strom erzeugen und für kühle Getränke, etc. sorgen. Es gibt auch kein Wasser mehr, die Brunnen sind ausgetrocknet. Tagsüber ist es so heiß, dass man sich nur im Haus aufhalten kann. Fausto fährt nachts mit seinem Fahrrad in andere Gemeinden, um in den verlassenen Häusern nach Nahrung und sonstigen Dingen zu suchen, die er für sein Überleben benötigt.
Eines Tages taucht eine junge Frau im Nachbarhaus von Fausto auf. Ihr scheint die Hitze erstaunlicherweise nichts auszumachen. Fausto verliebt sich in diese Frau und hofft, mit ihr in eine bessere Zukunft gehen zu können.
‚Andreas Eschbach behandelt mit seinem Roman ein hochaktuelles Thema und nimmt uns mit in ein beklemmendes Gedankenexperiment. Andreas Eschbach schreibt wie immer sehr bildgewaltig. Man spürt förmlich die Hitze und fühlt mit dem Protagonisten mit. Der Roman ist faszinierend und regt durch seine Aktualität zum Nachdenken an.
Zum Exemplar im Bestand der Stadtbücherei Korbach gelangen Sie hier.
Buch des Monats September 2026
Vorgestellt von Sabine Schmidt
Alex Schulman „Jetzt beginnt das Leben“
Der Autor, Journalist und Podcaster Alex Schulman wurde 1976 in Hemmesdynge bei Trelleborg geboren. Mit dem Buch „Verbrenn all meine Briefe“ gelang ihm 2018 der literarische Durchbruch. In seinen autofiktionalen Romanen schreibt er über die Traumata seiner Kindheit, unter anderem den Alkoholismus seiner Mutter. Schon in „Die Überlebenden“ hat er uns tief in die Abgründe einer vermeintlich intakten Idylle eines Sommerhäuschens am See blicken lassen. Und in dieses Sommerhäuschen am See kehren wir in seinem neuen Roman „Jetzt beginnt das Leben“ zurück.
Vidar ist Lehrer und nach einem handgreiflichen Zwischenfall mit einem Schüler vom Dienst freigestellt. So richtig scheint zunächst nicht klar zu sein, was eigentlich passiert ist.
Ohne Aufgabe allein zuhause, stößt er zufällig auf die alte Telefonnummer des Sommerhauses am See seiner Familie. Aus einer Laune heraus ruft er diese Nummer an und es meldet sich sein schon lange verstorbener Vater. Vidar ruft nun jeden Tag im Sommerhäuschen an und findet heraus, dass er immer am gleichen Tag 1986 in seiner Kindheit anruft und dass an diesem Tag etwas geschehen sein muss. Während er besessen versucht herauszufinden, was geschah und dabei nicht nur mit seinem Vater, sondern auch mit seiner Mutter, seiner Schwester und gar sich selbst als Kind spricht, verstrickt er sich im Hier und Jetzt immer tiefer in den Vorfall mit seinem Schüler.
Alex Schulman erzählt diese Geschichte aus Vidars Perspektive. Ganz nah sind wir bei ihm, aber bisweilen auch verwirrt über seine ambivalenten Handlungen. So nähern wir uns Schicht für Schicht, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, seinem Trauma an.
Entstanden ist so ein dichter Roman, dessen Intensität ich mich nicht entziehen konnte.
Stark!