„Rassismus ist eine böse Krankheit“

Umes Arunagirinathan berichtet von seiner Flucht nach Deutschland

Für Demokratie kämpfen: Der Herzchirurg und Autor Umes Arunagirinathan hat im Korbacher Bürgerhaus aus seinem Buch „Grundfarbe Deutsch“ gelesen. © Foto: Hans Peter Osterhold

Korbach – Es war eine Mischung aus Bericht, Lesung, Erzählung und Plädoyer, dabei persönlich, authentisch, herausfordernd und berührend, was der Herzchirurg und Autor Umes Arunagirinathan dem Publikum im vollbesetzten Korbacher Bürgerhaus vorstellte.

Grundlage war sein Buch „Grundfarbe Deutsch – Warum ich dahin gehe, wo die Rassisten sind“, seine persönliche Lebensgeschichte von der Kindheit in Sri Lanka, der Flucht nach Deutschland und seinen Erfahrungen und Erlebnissen in dem für ihn zunächst fremden Land. „Ich bin hier, um euch eine Geschichte zu erzählen“, waren seine Eingangsworte.

Und dann folgten Erinnerungen an eine glückliche Kindheit in Sri Lanka, die jäh durch den Bürgerkrieg zerstört wurde. Durch die Gründung eines eigenen Geschäfts wurde er früh selbständig und konnte seine Familie damit ernähren.

Als er zwölf Jahre alt war, entschied seine Mutter, dass er aus dem Land fort müsse, nach Deutschland, wo ein Onkel lebte. Über Kredite finanziert und über Schlepper organisiert – denn legal war eine Ausreise nicht möglich – ging es in einer 8-monatigen Odyssee über Vorderasien und Afrika schließlich nach Deutschland.

Viele Details brachte der Autor mit und viele Emotionen, vor allem bei dem Abschied von der Mutter, weil er nicht weg wollte. In Deutschland besuchte er das Gymnasium, machte das Abitur und wurde schließlich Arzt, überstand erfolgreich verschiedene Abschiebungsversuche. Und er liebt Deutschland und freut sich über die deutsche Staatsangehörigkeit, die er irgendwann erhielt. „Ich habe das Glück, in Deutschland sein zu dürfen“, erzählte er.

Ein zentrales Thema des Abends sind seine Begegnungen mit Menschen, solchen, die ihn nachhaltig prägten und förderten und auch solchen, die ihn wegen seiner dunklen Hautfarbe diskriminierten und nicht als Deutschen akzeptieren wollten. So schilderte er Begegnungen im normalen Alltag und auch mit „Rechten“, bei denen er stets auf Dialog setzt. „Rassismus ist eine böse Krankheit“, sagte er. Aber Früherkennung sei wie in der Medizin die beste Möglichkeit der erfolgreichen Behandlung.

So sucht er auch immer wieder die Begegnung mit solchen, die eher intolerant und mit Vorurteilen unterwegs sind. Eine bunte Gesellschaft sei eine Bereicherung, sagte er und bei seinem Buch „Grundfarbe Deutsch“ gehe es um mehr als um die Sprache. „Ich bin nicht für die deutsche Vergangenheit verantwortlich, aber für die Gegenwart und Zukunft“. Und er forderte alle Anwesenden auf, für die demokratischen Grundwerte der Gesellschaft zu kämpfen.

Im Anschluss beantwortete Umes Arunagirinathan Fragen aus dem Publikum: Wann er seine Familie wiedersah, der aktuellen Situation in Sri Lanka, ob er je in seine Heimat zurückkam und wie er mit Angst umgehe. Er hinterließ eine berührte Zuhörerschaft, die ihm jedes Wort abnahm, denn der Autor vertrat eine klare politische Position und ließ gleichzeitig viel persönliche Nähe zu.

Der Förderverein der Stadtbücherei Korbach „Lesebändchen“, die Stadtbücherei und die Buchhandlung Thalia hatten in einer Kooperation mit dem Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg zu der Veranstaltung im Korbacher Bürgerhaus eingeladen.

HANS PETER OSTERHOLD

Quelle: WLZ vom 1. November 2025

 
 

Login Planung "Bücher zur Teezeit"